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Donnerstag, 17. Juni 2010

Hier stehe ich, ich kann nicht anders (Helge Hesse)


Mit einer Sammlung bekannter Sprüchen der Weltgeschichte, beginnend bei den "alten Griechen" bis hin zur "Achse des Bösen" führt dieses Buch mit Erläuterungen zur Entstehung des jeweiligen Zitats durch über 2000 Jahre.

Die Zusammenhänge sind dabei sehr ausführlich geschildert, so daß man wirklich einen Einblick bekommt in die jeweilige Epoche. Das Buch dient auch dazu, Interesse an einer bestimmten Zeit zu wecken - zumindest hat es das bei mir.

Ein gewisses geschichtliches Interesse und gewisse Grundkenntnisse sollten allerdings vorhanden sein - ansonsten sind manche Schilderungen nur bedingt nachzuvollziehen. Schön ist, daß auch mit zahlreichen Vorurteilen aufgeräumt wird - so gibt es Sprüche, deren allgemein bekannte überlieferte Entstehungsgeschichte falsch ist. Angenehm fand ich auch die manchmal sarkastische und sehr direkte Schilderung irgendwelcher Abläufe.

Gut fand ich auch, daß die Quellen zu den einzelnen Zitaten am Ende des Buches zusammengefasst wurden und nicht direkt im Text - so wird der Lesefluß nicht unnötig gestört.

Fazit: Ein absolut lesenswertes Buch, daß sich aufgrund der kurzen Kapitel auch für Wenig-Leser anbietet bzw. als Lektüre für Bus-/S-Bahnfahrten oder als kurze Geschichten zum Einschlafen. Egal, wo und wann man liest, man lernt auf alle Fälle eine Menge dazu. Klare 5 Sterne.

Infos zum Buch:
  • Titel: Hier stehe ich, ich kann nicht anders (In 80 Sätzen durch die Weltgeschichte)
  • Autor: Helge Hesse
  • Genre: Geschichte, Sachbuch
  • Verlag: Piper
  • ISBN: 978-3-492-25127-3
  • Preis: € 9.95 (Taschenbuch)


Mittwoch, 16. Juni 2010

Das erfundene Mittelalter (Herbert Illig)

"Hat Karl der Große je gelebt?" lautet der Untertitel dieses Buches. Ein Sachbuch, daß sich gestützt auf viele wissenschaftliche Veröffentlichungen mit der Behauptung beschäftigt, daß es ca. 300 Jahre in unserer Zeitrechnung nicht gegeben haben soll. Am Anfang liest sich dieses Buch sehr spannend und dadurch auch schnell. Die Belege scheinen stimmig ineinander zu greifen... Nach ca. einem Drittel des Buches wird die Methode des Authors allerdings allzu durchsichtig: es werden gezielt Quellen gesucht, die sich widersprechen und aus diesen auch nur die entsprechenden Stellen verwendet.

Natürlich gibt es Quellen, die sich widersprechen - die gibt es sogar auch bei neuerer Geschichte. Siehe hierzu z.B. auch meine Rezension zum Buch von Rochus Misch: es gibt mit Sicherheit mehr als 100 Versionen der letzten Tage des dritten Reichs im Führerbunker oder drum herum, die sich zum Großteil widersprechen - ist das Beleg genug, zu behaupten, diese Zeit hätte auch nicht stattgefunden und das 3. Reich hätte in Wirklichkeit bereits einen Monat früher aufgehört zu existieren?

Der Author verwendet auch noch eine andere Methode, um zu beweisen, daß Karl der Große nie existiert haben soll: viele Quellen v.a. aus späterer Zeit, auf die der Author sich beruft, überhöhen die Figur Karls des Großen und dichten ihm so ziemlich JEDE Entwicklung an, die in dieser Zeit stattgefunden haben soll. Natürlich ist diesen Quellen mit Vorsicht zu begegnen, schließlich gibt es mehr Quellen aus mittelalter- oder auch neuzeitlichen Epochen, in denen historische Figuren überhöht werden.

Dennoch ist es ein Buch bzw. ein Thema, mit dem man sich beschäftigen sollte und die Gedankenansätze des Authors sind auch sehr interessant - allerdings erinnert mich das ganze eher an einen Verschwörungstheorieroman, ähnlich denen die Dan Brown veröffentlicht hat oder diejenigen, die sich mit einer Päpstin Johanna beschäftigen. Von diesen unterscheidet das Buch von Illig lediglich die (scheinbar) fundierte Quellenarbeit.

Fazit: Ein lesenswertes Buch, allerdings sollte man mit wachem Verstand an dieses Buch gehen und überlegen, wo Aussagen stimmig sind und wo nicht. Mir erscheint die Behauptung, daß UMFASSEND(!!) 300 Jahre Geschichte erfunden worden sein sollen, logistisch unmöglich. 2 Sterne.

Infos zum Buch:
  • Titel: Das erfundene Mittelalter
  • Autor: Heribert Illig
  • Genre: Geschichte
  • Verlag: ullstein
  • Jahr: 2004
  • ISBN: 978-3-548-36429-2
  • Preis: € 12.95 (Taschenbuch)

Donnerstag, 18. Februar 2010

Der letzte Zeuge (Rochus Misch)

Im Dezember letzten Jahres (2009) erschien ein Buch, das mich sofort angesprochen hat: die Erinnerungen von Rochus Misch; Mitglied von Hitlers Begleitkommando und zu Kriegsende Zuständiger für die Telefonanlage und die Vermittlung von Gesprächen im Führerbunker in Berlin.

Interessant ist dieses Buch natürlich dadurch, daß Misch bei fast allen entscheidenen Momenten ab Beginn des 2. Weltkrieges immer sehr direkt am Geschehen dabei war: gemustert 1937, war er sowohl bei der Befreiung der sudetendeutschen Gebiete als auch beim Polenfeldzug dabei. Dort wurde er leicht verletzt und danach in das Begleitkommando - die Leibstandarte Adolf Hitler - aufgenommen. Seit diesem Zeitpunkt (Mai 40) war er ständig in Hitlers Nähe - sowohl in privaten Angelegenheit auf dem Obersalzberg wie auch in sämtlichen Bunkern bis er Anfang Mai 45 als letzter von Joseph Goebbels, der nach Hitlers Selbstmord Reichskanzler war, aus dem Dienst als Führerbunkertelefonist entlassen wurde. Gefangen von den Russen erlebte er Folter und Zwangsarbeit und kam nach neun Jahren Gulag zurück.

Die Biographie besticht durch eine schlichte Sachlichkeit und durch ein sehr genaues Gedächtnis. Ohne Abwiegelei, ohne Wichtigtuerei und ohne Über- bzw. Untertreibung schildert Rochus Misch detailliert seine Erlebnisse mit Hitler und kann so sehr viel zum Verständis der damaligen Verhältnisse und dem Umfeld um Hitler beitragen. Zudem liegt mit diesem Buch erstmals eine Beschreibung der letzten Tage des deutschen Reiches vor, die frei ist von jeglicher Sensationshascherei und in ihrer Nüchternheit manche Ereignisse glaubhaft schildert. Da Misch der letzte war, der den Bunker verlassen hat, ist es durch ihn möglich, endlich ein Bild zu erhalten, das den tatsächlichen Ereignissen damals entspricht!

"Misch veherrlicht nichts, kritisiert nichts und rechtfertigt nichts, auch nicht sich selber. Er hat einen scharfen Blick für Details, die auch nach all den Jahren glaubhaft schildert" schreibt das Göttinger Tageblatt.

Fazit:
Dieses Buch ist absolut empfehlenswert und sollte in keinem Bücherregal fehlen - v.a. dann nicht, wenn man ein gewisses Interesse für Zeitgeschichte hat. Da es essentiell ist, die Verhältnisse und Abläufe der damaligen Zeit zu kennen, wenn man über sie urteilen will, sollte man sich dieses Buch zu Gemüte führen. 5 von 5 Sternen.

Infos zum Buch:
  • Autor: Rochus Misch in Zusammenarbeit mit Sandra Zarrinbal und Burkhard Nachtigall
  • Titel: Der letzte Zeuge
  • Genre: Autobiographie, 3. Reich, Geschichte
  • Verlag: Piper
  • Jahr: 2009
  • ISBN: 978-3-492-25735-0
  • Preis: € 9,95 (Taschenbuch)